SCHULTER / WISSEN

Wie funktioniert die Schulter? Maximale Bewegungsfreiheit

Kein Gelenk besitzt einen größeren Bewegungsumfang als die Schulter. Möglich wird dies durch eine winzige Gelenkpfanne und eine dynamische muskuläre Führung.

Ein Kugelgelenk mit minimaler Knochenführung

Das eigentliche Schultergelenk (Glenohumeralgelenk) verbindet den großen Kopf des Oberarmknochens mit der erstaunlich kleinen Schulterblattpfanne (Glenoid). Die Pfanne bedeckt gerade einmal etwa ein Viertel bis ein Drittel der Gelenkfläche des Oberarmkopfes. Ein weicher Pfannenring aus Faserknorpel (Labrum glenoidale) vertieft die Kontaktfläche leicht, dennoch bietet das knöcherne Skelett hier kaum passive Führung.

Die Rotatorenmanschette: Das muskuläre Sicherungssystem

Weil die Knochenführung so gering ist, übernimmt die sogenannte Rotatorenmanschette die zentrale Haltearbeit. Sie besteht aus vier feinen, tief liegenden Muskeln und ihren breiten Sehnen:

Diese Muskeln umschließen den Gelenkkopf wie eine flexible Manschette und ziehen ihn bei jeder Armbewegung aktiv millimetergenau in das Zentrum der Pfanne.

Der Schultergürtel: Ein Verbund aus fünf Gelenken

Wenn wir den Arm über den Kopf heben, geschieht dies nicht allein im Kugelgelenk. Es ist ein harmonisches Zusammenspiel von fünf Gelenken bzw. Gleitebenen (der sogenannte scapulothorakale Rhythmus):

  1. Glenohumeralgelenk (Hauptgelenk)
  2. Schultereckgelenk (Akromioklavikulargelenk / ACG)
  3. Brustbein-Schlüsselbein-Gelenk (Sternoklavikulargelenk / SCG)
  4. Subakromialer Gleitraum (unter dem Schulterdach)
  5. Scapulothorakale Gleitebene (Bewegung des Schulterblatts auf dem Brustkorb)

Erst die Drehung und Aufrichtung des Schulterblatts schafft Platz unter dem Schulterdach, damit Sehnen und Schleimbeutel bei der Überkopfbewegung nicht komprimiert werden.

Quellen & Evidenz: Unsere Artikel stützen sich auf Veröffentlichungen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG / Gesundheitsinformation.de), das Bundesgesundheitsministerium (gesund.bund.de) sowie Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF).